Grundsätze zur Demenz
Die Demenzkrankheit zeichnet sich durch Störungen der Gedächtnisfunktionen und der intellektuellen Leistungen aus, die den Erkrankten an einer "normalen" Interaktion mit der Umgebung hindern und ihn in seinen alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigen.
Orientierungs- und Wahrnehmungsstörungen, Beeinträchtigungen der Handlungssteuerung, sprachliche Defizite sowie die Unfähigkeit, neue Informationen aufzunehmen, nehmen im Verlauf der Krankheit zu, so dass es den Betroffenen zunehmend schwer fällt, an der sogenannten "realen Welt" teilzunehmen. Die Folge ist, dass sie sich in ihren Gedanken und Gefühlen in eine "eigene Welt" zurückziehen, die überwiegend von Erinnerungen geprägt ist.
Den dementiell erkrankten Menschen in dieser "eigenen Welt" zu begegnen, sie auf dem schweren Weg der Verlusterfahrung zu begleiten und ihnen dabei ein größtmögliches Maß an Wohlbefinden und Lebensqualität zu ermöglichen, verstehen wir als unsere Aufgabe.
Aufgrund der genannten krankheitsbedingten Beeinträchtigungen sind dementiell Erkrankte unfähig, neue Situationen zu verarbeiten, so dass es ihnen nicht mehr möglich ist, sich den Gegebenheiten der sie betreuenden Institution anzupassen. Eine Interaktion zwischen den Betroffenen und den sie Betreuenden kann daher nur auf einem umgekehrten Weg erfolgen, indem sich nämlich die Betreuungspersonen auf die jeweiligen Lebenswelten der Demenzkranken einstellen und sich diesen anpassen.
Ausgangspunkt ist dabei die Orientierung am "Normalitätsprinzip", d.h. an den BewohnerInnen vertrauten Lebensformen und Handlungsabläufen, wobei individuelle Vorlieben, Neigungen und Gewohnheiten Berücksichtigung finden. Ein Tagesablauf, der dem früher praktizierten angepasst wird sowie ein den bekannten Familienstrukturen angeglichenes Leben in einer Wohngemeinschaft schafft Sicherheit und Vertrauen. Ein Wohnumfeld, das bekannte und vertraute Elemente aufweist, lässt bei den dementiell erkrankten Menschen zudem das Gefühl aufkommen, "zuhause" zu sein. In einer Umgebung, in der gelebt und nicht therapeutisiert wird und in einer Atmosphäre, die von Freundlichkeit, Akzeptanz und Wertschätzung geprägt ist, kann es ihnen gelingen, ihr Leben als "normal" zu empfinden, was sich in einem positiven Lebensgefühl bemerkbar macht.
Das Normalitätsprinzip ist somit Grundlage für eine Milieugestaltung, die organisatorische Rahmenbedingungen, architektonische und gestalterische Elemente sowie betreuende Konzepte miteinander vereint.
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